Tentativer Altruismus
Manchmal verstehen sich Menschen, ohne sich jemals im wirklichen Leben begegnet zu sein. Die moderne Telekommunikation macht’s möglich. Man sieht, was der andere treibt und schreibt, zum Beispiel weil er ein Weblog führt und dort von sich und seinen Taten spricht, weil er in Foren diskutiert und hilft, weil andere gut über ihn reden oder weil man tatsächlich schon mal den Telefonhörer in die Hand genommen und sich mit ihm auf Distanz unterhalten hat.
Mit der Zeit glaubt man sein Gegenüber zu kennen, baut eine Art freundschaftliche Beziehung zum anderen auf und entwickelt auf dieser Basis die Beziehung weiter. Im Internet kann solch eine Beziehung zum Beispiel durch tentative Verlinkung gepflegt werden. Tentativ bedeutet laut Duden so viel wie “versuchsweise” oder auch “probeweise”. Beim Tentativen Verlinken spendiert man erst einmal probeweise ein paar Links und hofft, dass die Gegenseite es bemerkt und entsprechend generös zurücklinkt.
Das muss nicht sofort passieren, dazu muss man nicht hinterherkarten, man weiss einfach, dass der andere ähnlich denkt und sich revanchieren wird. Tentatives Verlinken im altruistischen Sinn erhofft sich ein gegenseitiges Verständnis, ein Geben und Nehmen zum Wohle aller, fordert es aber nicht. Denn im Falle der Forderung einer reziproken Verlinkung handelt es sich nur noch um reziproken Altruismus